Rund um den Harz 2026
Author Falko Kunze

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Das Rennen Rund um den Harz rundumdenharz.com stand schon seit einer ganzen Weile mehr oder weniger auf meiner Liste. So richtig konnte ich mich bisher aber nie dazu durchringen, dort wirklich zu starten. Dieses Jahr kam dann die Initialzündung durch Jenny. Eigentlich wollte sie zusammen mit unserem Freund Maurice als Duo fahren. Das klappte am Ende nicht und so entschied sie sich, die Strecke allein unter die Räder zu nehmen. Dreihundert Kilometer und knapp dreitausend Höhenmeter sind kein Spaziergang, aber eben auch kein absoluter Brecher. Für mich war das der Moment, an dem ich beschloss, die Runde als längere Trainingseinheit zu nutzen.

Zu dieser Jahreszeit ist es im Harz meistens frisch und oft unbeständig. Genau deshalb wollte ich die Gelegenheit nutzen, um meine Ernährung bei Kälte noch einmal bewusst zu testen. Beim Race around Niederösterreich hatte ich durch die niedrigen Temperaturen immer wieder Probleme, vor allem weil man bei Kälte einfach viel zu wenig trinkt. Der Durst fehlt komplett und irgendwann rächt sich das. Die Runde im Harz war dafür perfekt geeignet. Mein Ziel war es, meine typischen Werte aus Langstreckenrennen zu fahren, damit die Bedingungen möglichst nah an der Realität anderer Rennen liegen. Die Zeit spielte für mich absolut keine Rolle.

Das Wetter versprach neben den niedrigen Temperaturen typische Aprilbedingungen. Was uns allen ein wenig Kopfzerbrechen bereitete, waren die Windmeldungen. Am Rand des Harzes, wo die Strecke verläuft, sollte es ab Mittag Böen bis siebzig Kilometer pro Stunde geben. Meine Radwahl stand eigentlich fest. Ich wollte mit dem Zeitfahrrad fahren. Die große Frage war nur, ob ich die Scheibe montiere oder nicht. Am Ende entschied ich mich sieben Minuten vor dem Start spontan dafür und baute das Rad zusammen mit meinem Sohn noch schnell um. Gerade so rechtzeitig.

Nach dem Start ging es mit leichtem Rückenwind von der Seite Richtung Mansfeld. Ich konnte im absoluten Wohlfühlmodus rollen und überholte trotzdem recht schnell einige Fahrer. So ein Zeitfahrrad mit Scheibe schiebt einfach brutal nach vorn. AeroOida lässt grüßen. Nach etwa eineinhalb Stunden holte ich Jenny ein und rollte ein paar Minuten entspannt mit ihr zusammen. Wir konnten ein wenig quatschen und die letzten Wochen Revue passieren lassen.

Kurz vor Mansfeld nahm der Wind dann deutlich zu und kam in diesem Abschnitt fast im rechten Winkel. Da kamen mir zum ersten Mal Zweifel an meiner Materialwahl. Man schwitzte nicht wegen der Anstrengung, sondern wegen der Heftigkeit der Böen. Mehrmals wurde man ordentlich hin und her geschoben und musste die ganze Straßenbreite nutzen. Die Aeroposition war kaum zu halten und ich musste immer wieder aufrecht fahren.

In Mansfeld gab es am Straßenrand eine kleine Versorgungsstation. Ich füllte meine Flaschen auf und unterhielt mich kurz mit ein paar anderen Fahrern. Hektik kam dabei keine auf. Danach ging es auf die Südroute des Harzes zurück. Ab hier blies der Wind komplett frontal ins Gesicht. Schön ist anders, aber ändern konnte man es sowieso nicht. Ich blendete die Geschwindigkeit komplett aus und konzentrierte mich nur noch auf meine Watt und meinen Puls. So kam ich schnell in meinen gewohnten Rhythmus trinken essen treten. Als Ablenkung gab es feinsten Punkrock auf die Ohren, was das Ganze deutlich erträglicher machte.

Nach und nach überholte ich immer wieder einzelne Fahrer. Ansonsten passierte nicht viel. Die Strecke war bis zu diesem Punkt recht seelenlos. Schöne Ausblicke waren absolute Mangelware. Dafür war es ein ehrlicher Arbeitstag auf dem Rad.

Nach zehn Stunden und siebenunddreißig Minuten überquerte ich die Ziellinie. Viel wichtiger als die Zeit waren für mich die Erkenntnisse zur Ernährung und zum Verhalten bei Kälte. Genau dafür war die Runde gedacht.

Rund um den Harz ist ein kleines, feines Rennen, das von Florian Schütte mit viel Herzblut organisiert wird. Es eignet sich perfekt, um zu Beginn der Saison ein paar Tests zu fahren oder einfach die eigene Bestzeit zu jagen.

Ich blicke auf jeden Fall positiv auf die Saison 2026 und freue mich auf alles, was kommt.

Falko

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