Race Across Austria East to West 2026 – WUCA Unsupported Ultracycling European Championship
Author Falko Kunze

unsupported

2026 war das Race Across Austria (raceacrossaustria.com) nicht einfach nur ein weiteres Rennen im Kalender. Die Strecke von Nickelsdorf nach Feldkirch, quer durch ganz Österreich, diente in diesem Jahr erstmals als WUCA Europameisterschaft im Unsupported Ultracycling. Knapp 400 Athletinnen und Athleten aus 20 Nationen sind angetreten, mit Christoph Strasser (christophstrasser.at) als sechsfachem RAAM-Sieger an der Spitze des Feldes. 1.000 Kilometer, rund 16.000 Höhenmeter, komplett unsupported, sprich ohne Begleitfahrzeug und ohne Betreuerteam. Jede Pause, jede Verpflegung, jede Entscheidung musste man selbst treffen. Genau das macht diese Rennform für mich so reizvoll.

Anreise & Start Mädels

Das Race across Austria startet im östlichsten Punkt Österreichs und führt dann zum westlichsten Ort, nach Feldkirch. Für uns kam somit nur eine Anreise mit der Bahn in Frage, quasi das erste kleine Abenteuer der Reise. Von Rosenheim ging es nach Wien und von dort weiter nach Nickelsdorf. In Wien fielen dann gleich mehrere Züge aus, macht 2,5 Stunden Verspätung direkt zum Auftakt. Am frühen Abend kamen wir schließlich in Nickelsdorf an. Erstmal Check-in, dann viele Freunde und Bekannte begrüßen. Danach die Räder startklar machen und direkt zum technischen Bikecheck.

Martina, Jennys Teampartnerin, traf ebenfalls ein. Die beiden Mädels starteten schon am Dienstag, also einen Tag vor mir. Nickelsdorf liegt direkt an der Grenze, im Ort selbst war absolut tote Hose. Also sind wir abends noch gemeinsam essen gegangen und haben den Tag ausklingen lassen. Am Dienstag stand dann der Start der beiden auf dem Programm, für mich noch eine lockere Einheit hinterher.

Mittwoch – The Race begins

Pünktlich, eigentlich viel zu früh, wachte ich allein im Hotel auf. Kurz nach sechs saß ich schon beim Frühstück, ein letztes Mal vernünftig essen war die Devise. Die Nervosität war mal wieder brutal.

10:36 Uhr war mein Startzeitpunkt. Kurz davor wurde ich noch auf die Bühne zum Interview gerufen, dann ging es los. Die Strecke führt zunächst Richtung Wiener Neustadt, recht trist, kaum Abwechslung, dafür Wind aus allen Richtungen. So gestalteten sich die ersten Stunden. Weiter ging es Richtung Semmering, und ab hier wurde es für mich endlich abwechslungsreicher. So kam ich in Irdning ins erste Basecamp. Hier hieß es Vorräte auffüllen und die lauwarme Sommernacht ausnutzen.

Donnerstag – Die Höhenmeter-Reise beginnt

Recht zügig ging es weiter Richtung Sölkpass. Eigentlich wollte ich danach einen Bäcker suchen und ordentlich frühstücken. Es war aber noch viel zu früh und so ging es also erstmal weiter. Irgendwo zwischen Sölkpass und Turracher Höhe hab ich dann doch einen Bäcker gefunden. Anschließend ging es hoch zur Turracher Höhe, weiter durchs Gailtal, über Hermagor, schließlich Richtung Kötschach-Mauthen. Im dortigen Basecamp stand eine Schlafpause von 2 Stunden auf dem Plan, mit Option auf mehr. Aufgewacht bin ich interessanterweise schon nach 90 Minuten und war fit. Also direkt weiter, um die Helligkeit so gut es ging noch auszunutzen. Durchs Lesachtal ging es in den Sonnenuntergang Richtung Lienz. Das Lesachtal ist wirklich traumhaft. Zwar ist es recht kraftraubend zu fahren, da es ein stetiger Anstieg ist mit kleinen Abfahrten, aber landschaftlich ein absoluter Traum. Dies ist mir schon 2025 beim Race around Austria in Erinnerung geblieben.

Normalerweise führt die RACA-Strecke über den Großglockner. Leider haben die Organisatoren dieses Jahr keine Genehmigung für die Nachtfahrt über den Glockner bekommen, also stand die Ausweichroute durch den Felbertauerntunnel auf dem Programm, mit Shuttle-Service. Der Aufstieg zur Mautstation fährt sich deutlich angenehmer als der Großglockner, und da es schon spät war, war auch der Verkehr entsprechend schwach.

Zwischendurch hab ich mal einen Blick auf den Tracker und meine Platzierung geworfen. Im Schnitt lag ich zu dem Zeitpunkt auf Platz 27 bis 34. Standzeit und Gesamtzeit waren noch komplett im Plan.

Freitag – Jetzt kommen die großen Brocken

Nach dem Felbertauerntunnel ging es mit Dampf Richtung Gerlos, wo meine zweite Schlafpause auf dem Plan stand. Direkt vor dem Basecamp lag noch der Gerlospass. Weil ich über den Tag nicht genug gegessen hatte, kam jetzt ein kleiner Leistungseinbruch. Am Gerlospass gibt es immer wieder Abschnitte mit 16 Prozent, was mir zunehmend Schwierigkeiten machte. Am Ende hab ich es aber in den Morgenstunden ins Basecamp geschafft.

Ich machte es wie bei der ersten Schlafpause, zwei Stunden schlafen mit Option auf Verlängerung. Wieder wachte ich nach 90 Minuten auf und machte mich in Ruhe fertig. Mein persönliches Highlight: Ich hatte Jenny und Martina in Gerlos eingeholt. Sie waren zwar losgefahren, während ich noch schlief, aber ich wusste, dass ich sie bald überholen würde.

Der Tag fing eigentlich ziemlich cool an. Etwas Bauchweh machten mir die Wetteraussichten, für die kommende letzte Nacht waren heftige Unwetter angesagt. So machte ich mich quasi zum Frühstück auf den Weg Richtung Kühtai. Davor gab es noch ein paar kleinere Anstiege zum Warmfahren. Das Kühtai kenne ich vom Ötztaler Radmarathon, der Anstieg ist lang, aber nicht sonderlich steil. Auf den letzten Höhenmetern fing es an zu regnen, zum ersten Mal musste ich die Regenbekleidung anziehen.

Vom Kühtai ging es dann runter Richtung Oetz. Viele andere Fahrer wollten hier, bzw. in Imst, nochmal eine Schlafpause einlegen. Mein Plan war es, die Nacht durchzufahren und somit Zeit zu sparen und zusätzlich Plätze in der Wertung gut zu machen. Also weiter Richtung Hahntennjoch. Am Fuß des Hahntennjochs wurde der Regen stärker, und je höher es ging, desto schlechter wurde das Wetter. Der Wind nahm immer mehr zu und kam direkt von vorne. Kurz unterhalb der Passhöhe waren Wind und Regen so heftig, dass nur noch Schieben möglich war. Ich war mittlerweile nass bis auf die Haut. Ein Schweizer Duo war die ganze Zeit in Sichtweite, so dass wir aufeinander achten und uns immer wieder kurz austauschen konnten.

Abstieg ins Ungewisse

Dann kam die Abfahrt runter ins Tal. Auch hier war Fahren fast nicht mehr möglich, immer wieder musste ich absteigen und schieben. Da der Sturm so heftig war und einem teils schnell ins Straucheln und fast zu fall brachte. Nach ein paar Minuten erreichten wir eine kleine Siedlung mit einem Gasthof, in dem noch Licht brannte. Der Wirt hat uns aber jede Hilfe verweigert. Stattdesssen machte er uns Vorhaltungen wie man bei solchen Wetter sich im Freien befinden konnte. Selbst mehrmaliges Nachfragen erbarmte ihn nicht.

Weiterfahren war für uns nicht mehr drin, wir waren bereits zu stark unterkühlt. Einer der beiden Schweizer hatte dann die Idee, in der Kirche auszuharren, bis das Wetter durchgezogen ist. Tatsächlich hatten wir Glück, dass die Kirche offen war. Im Vergleich zu den äußeren Bedingungen war es im Innneren schon recht warm. Wir zogen weitestgehend die nassen Klamotten aus und hängten sie über die Gebetsbänke zum trocknen. Wohlgemerkt trocken wurde dort nix. Danach nahm jeder sein Notfall Biwak und wir legten uns ins Mittelschiff der Kirche, also den Gang zwischen den Sitzreihen. Gut vier Stunden haben wir insgesamt dort verbracht und geschlafen. Immer wieder wachte man auf und checkte die Lage, also ob das Wetter schon durch war.

Das letzte Aufbäumen – Es geht Richtung Ziel

Gegen 5 Uhr bin ich als Erster weitergefahren. Bitterkalt, alles nass, teilweise musste ich so stark zittern, dass ich den Lenker kaum halten konnte. Jeder Anstieg war eine Wohltat, weil man dadurch wieder Temperatur aufgebaut hat. Aber die Kilometer wurden weniger und weniger. Das war das Einzige was mich zu dem Zeitpunkt wirklich motivierte. Die Nacht und die starke Unterkühlung haben stark an meinen Kräften gezerrt. Bis in die Morgenstunden, als die Sonne wieder genug Kraft hatte, musste ich immer wieder kurz stehen bleiben.

Der letzte große Anstieg vor dem Ziel war das Faschinajoch, für mich auch der Anstieg, der mir am meisten im Gedächtnis geblieben ist. Wunderschöne Landschaft, wieder bei ziemlich genialen sommerlichen Wetter. Langsam hab ich mich hochgequält, durch die Kälte war die Kraft mittlerweile fast auf null. Aber ich hab nochmal alles mobilisiert.

Belohnt wurde ich mit einer richtig schönen Abfahrt. Ab da war klar: ich hab es geschafft. Die letzten Kilometer liefen wie von allein, völlig entkräftet kam ich im Ziel an. Zwar nicht mit der Zeit, die ich mir eigentlich vorgenommen hatte, aber die Standzeit am Hahntennjoch hat einfach zu viel gekostet. Fürs Wetter kann man nichts, das muss man nehmen, wie es kommt.

Am Ende stand eine Zielzeit von 73 Stunden und 2 Minuten, Platz 38 von 157 in der Gesamtwertung der Männer, in der Kategorie Race Platz 33. Für mich ist das Race Across Austria wieder ein Schritt in die richtige Richtung, und es bringt mich auf meinem Weg weiter.

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